Der Fuck-It-Moment: Wenn man beschließt –>seinen<-- Weg zu gehen

 

Eine Studienkollegin und ich lernen in der Bielefelder Uni für eine der ersten Bachelor-Klausuren. “Ich habe hier mal den Lebenslauf von Sigmund Freud ausgedruckt. Sollen wir den mal zusammen durchgehen?”, fragte sie mich.

“Nunja, in Anbetracht der Tatsache, dass Freud auf der ersten, einleitenden Folie der ersten Vorlesung lediglich erwähnt wurde, er nicht Thema ist und wir noch 700 Folien vor uns haben, wäre das möglicherweise eine Sache, die man hintan stellen könnte…oder?” erwiderte ich. Im ersten Moment war ich verunsichert. War ich das Studium möglicherweise zu locker angegangen? Ich druckte keine Lebensläufe von toten Psychologen aus. Verdammt, ich hatte nicht einmal einen aktuellen von mir selbst.

Irgendwie stresste es mich zunächst, mit diesen sehr hohen Lernstandards meiner extrem gewissenhaften Studienkollegin im Nacken zu pauken. Sie schrieb zwar immer sehr gute Noten, aber war auch immer sehr nervös, gestresst und auf dem Sprung. Bulimielernen musste auch auch anders erfolgreich zu bewältigen sein…

Der Fuck-It-Moment

“Verschiedenfarbige Karteikarten.”

“Ich fasse jede Vorlesung schriftlich zusammen.”

“Textmarker mit verschiedenen Farben, Post-Its, eine Word-Datei mit aufgekommenen Fragen, eine Exceltabelle mit Wiederholungsterminen für die unterschiedlichen Themen.”

Meh. Ich saß wie gelähmt vor der Mappe mit den Vorlesungsfolien.

“Soll ich mir jetzt Karteikarten anfertigen? Das dauert zwei Tage. Eine Exceltabelle anlegen, um die Themen zu ordnen und…”

Ein nervöses Brodeln stieg in mir auf und und mündete schließlich in einem der befreiendsten Momente, die man haben kann: Im Fuck-It-Moment.

Fuck-It-Moment, der

Wortart: Substantiv, maskulin

Zeitpunkt des Entschlusses, sich von gesellschaftlichen Konventionen, externen Erwartungen sowie Standards anderer Menschen loszusagen und shit auf seine Weise zu erledigen.

Es entstand der Vorsatz, mich nicht durch die Lernpraktiken oder die hohen Lernzeiten anderer stressen zu lassen. Ich machte es mir leicht und es funktionierte: Ein Semester wird auf Basis der Vorlesungsfolien in Stichpunkten (meistens waren es einfach Überschriften der Folien) auf den Rückseiten der ersten beiden A4-Seiten zusammengefasst. Mit einem Bleistift. Ein-fucking-farbig. Die Noten sind im oberen Bereich geblieben, aber der Stress und die investierte Zeit haben signifikant abgenommen.

Ein weiterer Fuck-It-Moment (sorry für die vielen F-Bombs), war übrigens der bewusste Entschluss gegen das 5-2-Korsett und für eine Unternehmerlaufbahn, wie im About Moi beschrieben (Abschnitt “Das Buch, das alles veränderte”). Schule, Studium, Krawattenjob? Nope. Schule, Studium, -Fuck It- Unternehmer.

Es passt einfach nicht

Warum war ich so angespannt wegen dieser externen Erwartungen und Standards? Es wollte mir doch niemand Böses.

Diese Spannung ist entstanden durch eine Fehlpassung zwischen Person und externem Standard. Implizit empfindet man den Druck, wie alle anderen zu Lernen, wie alle anderen Bewerbungen zu schreiben. Doch was, wenn es einen Weg gäbe, die dahinter liegenden Probleme auf seine eigene, zur Person passenden Art und Weise viel besser zu erledigen? Gute Noten schreiben mit der eigenen Lerntechnik und -zeit. Geld verdienen durch das direkte lösen gesellschaftlicher Probleme statt im Angestelltenverhältnis eigene Zeit gegen Geld eines Arbeitgebers zu tauschen.

Egal, in welchem Bereich der Schuh drückt – Beziehung, Beruf, Studium, Sport, Hobby – prüfe, ob du persönlich die gegebenen Standards akzeptieren möchtest oder, wie der milliardenschwere “Venture Cowboy” Chris Sacca, einfach nicht mehr traditionally spielen willst und die Herausforderungen des Lebens mit deinem ganz persönlichen Style angehst.

In diesem Sinne, go out and make some trouble.

LG

M

 

2016-10-21T00:09:52+00:00
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